Boxen im Luftschutzbunker der PTS Hallein

Boxen wäre doch auch mal einen Versuch wert, und ich hatte das ja schon lange am Plan. Da kam Babsis Anfrage genau richtig, ob wir nicht mal die Halleiner ASKÖ-Boxer besuchen sollten. Gesagt. Getan.

Die Location alleine wäre schon eine Story wert. Treffpunkt zum Boxen ist das Poly Hallein. Das wäre noch nicht das Besondere. Während in der Turnhalle die Judokas trainieren ( ja zu euch kommen wir auch noch ins Probetraining) ging es für uns in den Keller. Noch besser: Den Luftschutzbunker, der seinerzeit für 500 Leute erbaut wurde und heute nicht mehr funktionsfähig ist und als Multifunktionsraum genutzt wird. Hier trainieren die Askö Hallein Boxer und nach den Billiardtischen in der zweiten Raumhälfte zu schließen – die auch.

Russisch inspiriertes Training

Zwei Trainer sind heute da. Für die Anfänger (da sind Babsi und ich alleine) und einer für die Fortgeschrittenen. Unser Trainer heißt Harry Vogl und sieht so aus, wie man sich in den alten Boxerfilmen die Trainer vorstellt. Wirklich  alt und mit einer Aura russischer Autorität umgeben, und das obwohl er eigentlich Oberösterreicher ist.

Er ist 71 erzählt old Harry und sein Background sei die russische Boxerschule. Seine Tochter war 2010 Staatsmeisterin berichtet er stolz, habe sich jetzt aber Kind und Karriere verschrieben und sei ihm als Boxtrainerin abhanden gekommen. Also steht old Daddy nach wie vor im Ring.

Wir sind genau eine Woche nach den Meisterschaften gekommen, der Hauptteil der anderen Trainierenden ist also zuhause geblieben. Vier Jungs sind außer uns noch da. Einer wird zum Aufwärmtraining eingeteilt. Wir laufen rund um die abgedeckten Billardtische auf grünem Teppichboden, springen, übersteigen, Hampelmann – das übliche Aufwärmprogramm. Danach wird die Gruppe aufgeteilt.

Start mit Schnurspringen

Jetzt kommt Big Daddy Harry Vogl ins Spiel. Streng getimet starten wir mit Schnurspringen. Etwas, das wir beide nicht so gut können. Harry erklärt kurz worauf es ankommt und zeigt es selbst vor. Nicht zu hoch springen und Ellenbogen anlegen und nur aus den Handgelenken die Schnüre drehen. Atmen nicht vergessen. Nach ein paar Versuchen klappt es sogar halbwegs.

Beinarbeit

Dann geht es an die Beinarbeit. Wenn was nicht klappt, schreit Big Daddy los. Alte Schule. Technisch ist er richtig gut und sieht sofort die kleinsten Fehler und korrigiert. Wir bemühen uns wirklich. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass ich einfach vermeiden will, dass Big Daddy schreit. Ich will aber auch nicht,  dass er es selber vorzeigen muss und womöglich wegen uns dann noch einen Herzinfarkt kriegt.

Die Übungen sind immer zeitlich limitiert und zirkelartig aufgebaut. Beinarbeit lernen wir auch beim Tennisball prellen und nachsteigen.

Präzise Kommandos

Technisch  habe ich noch selten so präzise Erklärungen bekommen. Nach einigen Vorübungen dürfen wir dann doch  die Boxhandschuhe anziehen und draufhauen. Allerdings immer kontrolliert. Wenn der Schlag nicht sitzt, schreit Big Daddy. Er erklärt gut. Richtig gut. Ich hab das Gefühl, dass schnell was weitergeht. Würde echt Sinn machen, öfter zu kommen. Auch konditionell wird man gefordert. Zum Schluss dürfen wir auf die Boxsäcke eindreschen. 3 Minuten lang. Klingt kurz – wird lang und gegen Ende  sind wir weit weg von dreschen und streicheln den Boxsack nur noch. Zum Finale gibt es noch einen Kurzzirkel von 6 Minuten. Den geh ich sehr langsam an und lass Big Daddy seine Kommandos ins Leere schreien.

Zum Schluss sind wir nur noch zu zweit – die anderen mussten früher weg oder mal kurz rasten.

Alles in allem hat es aber Spaß gemacht und wer wirklich Boxen lernen will und was erreichen will, sollte mal in Big Daddies Schule gehen.
Die Location steht als Exempel für Salzburgs Sportstätten: Man nimmt, was man kriegt. Liebe sportzuständigen Salzburger Politiker – kommt mal hierher ins Training. Hier werden Meister gemacht. Russisches Training in Sportstätten, über deren Ausstattung echte russische Trainer nur lachen könnten.

Tipp:
bequeme Kleidung, Turnschuhe, Boxhandschuhe können ausgeborgt werden. Probetraining gratis ohne Voranmeldung möglich – einfach zu den Trainingszeiten hinkommen.

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